{"id":10228,"date":"2021-09-16T19:41:03","date_gmt":"2021-09-16T17:41:03","guid":{"rendered":"https:\/\/medical-volunteers.org\/die-situation-auf-lesbos-unser-arzt-amar-im-interview\/"},"modified":"2021-09-16T19:41:03","modified_gmt":"2021-09-16T17:41:03","slug":"die-situation-auf-lesbos-unser-arzt-amar-im-interview","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/medical-solidarity.org\/de\/die-situation-auf-lesbos-unser-arzt-amar-im-interview\/","title":{"rendered":"Die Situation auf Lesbos \u2013 unser Arzt Amar im Interview"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-weight: 400;\">Ein Jahr nach dem Brand von Moria gibt es kaum noch Aufmerksamkeit f\u00fcr die Menschen dort. Die Asylverfahren wurden beschleunigt &#8211; viele Gefl\u00fcchtete hatten einen negativen Asylbescheid erhalten, sind nun auf griechischem Festland oder untergetaucht. Aufgrund der strikten Grenzkontrollen der K\u00fcstenwachen und \u201cillegaler Pushbacks\u201d kommen kaum noch Menschen auf Lesbos an. <\/span><span style=\"font-weight: 400;\"><br \/>\n<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">Circa 4.000 Menschen leben aber nach wie vor im neuen Camp \u201cKara Tepe\u201d, die von Medical Volunteers International allgemeinmedizinisch versorgt werden. Amar Mardini ist 31 Jahre alt, Arzt und seit Anfang Mai mit MVI auf Lesbos. Hier berichtet er \u00fcber die aktuelle Situation.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\"><br \/>\n<\/span><b>Stell dich doch bitte mal kurz vor.\u00a0<\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Mein Name ist Amar Mardini, ich bin 31 Jahre alt und von Beruf Arzt. Ich habe mein Medizinstudium in Marburg absolviert und habe seither an der dortigen Universit\u00e4tsklinik in der Abteilung f\u00fcr Kardiologie, Angiologie und internistische Intensivmedizin gearbeitet.<\/span><span style=\"font-weight: 400;\"><br \/>\n<\/span><span style=\"font-weight: 400;\"><br \/>\n<\/span><b>Wie lange bist du bereits auf Lesbos?<\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Ich bin seit Mai diesen Jahres hier.<\/span><span style=\"font-weight: 400;\"><br \/>\n<\/span><span style=\"font-weight: 400;\"><br \/>\n<\/span><b>Was ist deine Aufgabe vor Ort?<\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Ich bin als Arzt f\u00fcr die haus\u00e4rztliche Versorgung der Gefl\u00fcchteten im Camp Kara Tepe zust\u00e4ndig und seit kurzem zudem der zweite medizinische Koordinator der Medical Volunteers international vor Ort.<\/span><span style=\"font-weight: 400;\"><br \/>\n<\/span><span style=\"font-weight: 400;\"><br \/>\n<\/span><b>Du hast dich vermutlich auf deinen Einsatz vorbereitet und auch eingelesen. <\/b><b><br \/>\n<\/b><b>Was hat dich bei deiner Ankunft dennoch \u00fcberrascht?<\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Da es sich um meinen ersten Einsatz als \u00e4rztlicher Volunteer handelt, habe ich bewusst f\u00fcr einen Ort in Europa entschieden. W\u00e4hrend meiner Ausbildung wurde ich vornehmlich in der Notfall- und Intensivmedizin an einer deutschen Universit\u00e4tsklinik ausgebildet. Mir war bewusst, dass sich diese \u201eHigh-End-Medizin\u201c vermutlich deutlich von den vor Ort verf\u00fcgbaren M\u00f6glichkeiten unterscheidet. MVI schickt jedem neuen Volunteer vor der Ankunft einen Leitfaden zu, durch welchen man einen groben \u00dcberblick \u00fcber das bekommt, was einen auf dieser Insel erwartet. Vor Ort stellt man jedoch rasch fest, dass die Herausforderungen einen sehr beanspruchen k\u00f6nnen. Einfachste diagnostische Untersuchungen und Therapien gestalten sich hier schwierig. So musste ich anfangs zu meinem Erstaunen feststellen, dass die Leitlinien der \u201e\u00c4rzte ohne Grenzen\u201c, welche u.a. f\u00fcr Krisengebiete in Entwicklungsl\u00e4ndern konzipiert wurden, auf europ\u00e4ischem Boden zum Einsatz kommen.\u00a0 <\/span><span style=\"font-weight: 400;\"><br \/>\n<\/span><span style=\"font-weight: 400;\"><br \/>\n<\/span><b>Was war deine Motivation einen derartigen Einsatz zu planen?<\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Das Thema Fl\u00fcchtende, Fluchtursachen und Migration hat mich seit einigen Jahren besch\u00e4ftigt. Letztes Jahr habe ich dann das Buch \u201eDie Schande Europas: Von Fl\u00fcchtlingen und Menschenrechten\u201c von Jean Ziegler, Vizepr\u00e4sident des Beratenden Ausschusses des UN-Menschenrechtsrats, gelesen. <\/span><span style=\"font-weight: 400;\"><br \/>\n<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">Ich war entsetzt \u00fcber die dort beschriebenen Umst\u00e4nde auf der \u00e4g\u00e4ischen Insel. Menschen, die vor Not und Elend flohen und w\u00e4hrend der Flucht gro\u00dfe Strapazen auf sich nahmen, fanden sich bereits lange vor dem Brand in Moria, in einer menschenunw\u00fcrdigen Lage auf europ\u00e4ischem Boden wieder.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Die zunehmende Akzeptanz dieser Situation auf europ\u00e4ischem Boden machte mich fassungslos. Es widersprach meinem Bild der Europ\u00e4ischen Union als eine humanit\u00e4re Gemeinschaft, welche sich den universellen und unver\u00e4u\u00dferlichen Menschenrechten verpflichtet und von so vielen Menschen auf der Welt bewundert wird. Ich wollte helfen etwas zu ver\u00e4ndern, damit sich diese Erz\u00e4hlung von Europa in den sp\u00e4teren Geschichtsb\u00fcchern nicht nur als scheinheiliges Narrativ wiederfindet. Es waren aber auch pers\u00f6nliche Gr\u00fcnde. Mein Vater stammt urspr\u00fcnglich aus Syrien. Er ist bereits Jahrzehnte vor dem Ausbruch des B\u00fcrgerkrieges nach Deutschland ausgewandert. Wenngleich mich selbst, da in Deutschland geboren und aufgewachsen, bis auf einige wundervolle Kindheits- und Jugenderinnerung w\u00e4hrend der Schulferien mit dem Herkunftsland meines Vaters wenig verbindet, so habe ich doch durch meinen Vater vermutlich einen tieferen und pers\u00f6nlicheren Einblick in das Leid erfahren, dass dieser ver\u00e4chtliche B\u00fcrgerkrieg Verwandten und Bekannten meines Vaters und den Menschen vor Ort und auf der Flucht seit nun mittlerweile einem Jahrzehnt zuf\u00fcgt. <\/span><span style=\"font-weight: 400;\"><br \/>\n<\/span><span style=\"font-weight: 400;\"><br \/>\n<\/span><b>Wie sieht dein \u201eAlltag\u201c hier aus und wie unterscheidet sich das denn im Wesentlichen von deiner Arbeit in Deutschland?<\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">W\u00e4hrend mir in meiner Ausbildung an einer Universit\u00e4tsklinik s\u00e4mtliche diagnostische und auch therapeutische Optionen sowie eine interdisziplin\u00e4re Expertise zu jeder Zeit offen stand, muss man sich hier auf die Grundlagen einer medizinischen Untersuchung und Behandlung zur\u00fcckbesinnen. Anamnese, k\u00f6rperliche Untersuchung und einfachste diagnostische Mittel sind alles was einem hier zur Verf\u00fcgung steht.\u00a0 Es stellt anfangs eine ziemliche Herausforderung dar, sich wieder auf diese grundlegenden Untersuchungs- und Behandlungsmethoden einzustellen. Trotz der im Vergleich zu Deutschland j\u00fcngeren Patientenpopulation, sehen wir aufgrund der widrigen Umst\u00e4nde, in denen die Menschen hier leben, jeden Tag viele PatientInnen. Bauch-, R\u00fccken und Kopfschmerzen sowie \u00fcbertragbare Krankheiten wie die Kr\u00e4tze sind h\u00e4ufig. Das Lager macht krank, nicht nur k\u00f6rperlich. Viele der Gefl\u00fcchteten ben\u00f6tigen aufgrund der Erfahrungen in den Heimatl\u00e4ndern, der Flucht oder im Lager psychologische Unterst\u00fctzung. Geschichten \u00fcber Folter, Gewalt oder sexuelle Misshandlungen sind keine Seltenheit. Symptome einer posttraumatische Belastungsst\u00f6rungen, Panikattacken bis hin zu psychogenen Krampfanf\u00e4llen sind allt\u00e4glich.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Es gibt jedoch auch erfreuliche Umst\u00e4nde hinsichtlich der internationalen und interdisziplin\u00e4ren Zusammenarbeit. Der stressvolle Alltag in einer deutschen Notaufnahme ist zum Teil von einem Streit zwischen den unterschiedlichen Fachabteilungen gepr\u00e4gt. Der Ton zwischen ChirurgInnen und InternistInnen kann an manchen Tagen sehr rau werden. Als MVI sind wir hier vor Ort f\u00fcr die haus\u00e4rztliche und teilweise psychologische Versorgung der PatientInnen im Camp zust\u00e4ndig. Wir m\u00fcssen daher mit allen medizinisch t\u00e4tigen Akteuren eng zusammenarbeiten. \u00c4rztInnen und KrankenpflegerInnen aus den verschiedensten Winkeln Europas, wie dem United Kingdom, den Niederlanden, der Schweiz, aus Portugal oder Griechenland bringen ihre unterschiedlichste Expertise in das internationale Team ein. Es wird Hand in Hand und mit einem stets offenen Ohr f\u00fcr Rat zusammengearbeitet. Es ist eine Bereicherung, die teils unterschiedliche Behandlungsans\u00e4tze zu sehen und zu diskutieren. F\u00fcr mich ist es ein hoffnungsvolles Zeichen, dass die europ\u00e4ische Gemeinschaft funktioniert und wir eine L\u00f6sung gemeinsam finden werden.\u00a0\u00a0\u00a0<\/span><\/p>\n<p><b>Gibt es Situationen im Umgang mit PatientInnen, die dir besonders in Erinnerung geblieben sind?<\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Ja, und zwar ziemlich am Anfang des Einsatzes. Ein junger Mann aus Sierra Leone stellte sich mit Kopfschmerzen vor. Ein typischer Fall im Camp, es ist hei\u00df, das Wasser ist rationiert und die Menschen stehen unter permanentem Stress. Medizinisch kein anspruchsvoller Fall und daher eigentlich schnell zu behandeln. Da wir zu dieser Zeit gut besetzt waren, konnte ich mir jedoch Zeit f\u00fcr den Patienten nehmen. Ich fragte Ihn, wie alt er denn sei und wann er auf Lesbos angekommen ist. Er war 19 Jahre, allein und erst seit einigen Tagen auf der Insel. Es waren nur sehr wenige Menschen aus Sierra Leone im Camp. Er sprach Englisch, was mich freute, da wir daher keinen \u00dcbersetzer ben\u00f6tigten. Im Camp fand er jedoch aufgrund der nur schlechten oder mangelnden Englischkenntnisse der Gefl\u00fcchteten aus anderen Herkunftsl\u00e4ndern zum Teil schwer Anschluss. Mir ging in dem Moment durch den Kopf, wie es wohl sein muss als gerade erst erwachsen gewordener Mann nun in einem Camp mit knapp 8.000 unbekannten Menschen leben zu m\u00fcssen. Ich begann mit 19 Jahren mein Medizinstudium in Marburg und um die Uhrzeit sa\u00df ich vermutlich verkatert in einer Vorlesung oder lag, nach einer langen Nacht mit Kommilitonen und neu gewonnen Freunden, noch im Bett. Auf die Frage ob er schon in Kontakt mit einer NGO f\u00fcr Rechtshilfe stehe, antwortete er mit \u201enein\u201c. Ich zeigte Ihm daraufhin ein Papier mit Kontaktdaten der verschiedenen Rechtshilfe- Organisationen und riet Ihm m\u00f6glichst umgehend rechtliche Hilfe zu suchen, am besten noch am selben Tag. Der junge Mann, der anfangs noch sehr still und skeptisch meinen Fragen zuh\u00f6rte, begann nach und nach mehr zu erz\u00e4hlen. Die Kopfschmerzen schienen am Ende unseres Gespr\u00e4ches schon fast ohne Tablette verschwunden gewesen zu sein. Er bedankte sich am Ende unseres Gespr\u00e4ches. Seit Beginn seiner Flucht habe er wenig Hilfe von fremden Menschen bekommen, erz\u00e4hlte er beim Verlassen des Raumes. Er folgte meinen Rat und fand noch vor seinem ersten Interview mit den Beh\u00f6rden eine Organisation, welche Ihn in der Rechtshilfe ber\u00e4t. Er schaut weiterhin ab und an in der Klinik vorbei und erz\u00e4hlt mir das Neuste aus seinem Fall. Die Chancen f\u00fcr eine positive Entscheidung stehen nicht schlecht. Schmerztabletten wegen Kopfschmerzen hat er nur noch einmal ben\u00f6tigt. <\/span><span style=\"font-weight: 400;\"><br \/>\n<\/span><span style=\"font-weight: 400;\"><br \/>\n<\/span><b>Wie w\u00fcrdest du die aktuelle Lage der Gefl\u00fcchteten auf der Insel beschreiben?\u00a0<\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Als Arzt vermag ich keinen gesamten \u00dcberblick \u00fcber die aktuelle Lage der Gefl\u00fcchteten abgeben zu k\u00f6nnen.\u00a0 Aus medizinischer Sicht handelt es sich nach wie vor um eine sehr prek\u00e4re Lage. Obwohl auf europ\u00e4ischen Boden angekommen, ist es nicht m\u00f6glich, die PatientInnen gem\u00e4\u00df medizinischer Leitlinien zu behandeln. Es sind PatientInnen zweiter Klasse. Insbesondere durch die Covid-19-Pandemie stehen uns nur wenig diagnostische Mittel zur Verf\u00fcgung. Das \u00f6rtliche Krankenhaus erlaubt nur noch Notf\u00e4lle, f\u00fcr Termine bei SpezialistInnen warten PatientInnen mehrere Monate. In manchen F\u00e4llen sogar, obwohl man als behandelnder Arzt eine abwendbare Ursache der Krankheit vermutet und f\u00fcrchtet, dass bis zur Abkl\u00e4rung durch die SpezialistInnen die Situation weiter verschlechtern wird oder gar irreversibel geworden ist. Die Schuld allein bei den griechischen Beh\u00f6rden zu suchen ist jedoch falsch. Das Gesundheitssystem in Griechenland war bereits vor 2015 im Zuge der Finanzkrise deutlich strapaziert. Die Versorgung der Tausenden an Gefl\u00fcchteten ist f\u00fcr ein Gesundheitssystem wie dieses nicht m\u00f6glich. Es bedarf rasch vor Ort an internationaler Hilfe mit ExpertInnen und SpezialistInnen aus der europ\u00e4ischen Gemeinschaft, um die Lage der Gefl\u00fcchteten zu \u00e4ndern.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><b>Wie hat sich das seit deiner Ankunft ver\u00e4ndert?<\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Als ich den Einsatz auf Lesbos begonnen habe, waren noch knapp 8.000 Menschen im Camp. Mittler- weile sind es deutlich weniger geworden. F\u00fcr die noch verbliebenen Gefl\u00fcchteten ist die Situation aussichtsloser geworden. Die meisten haben bereits eine oder zwei Ablehnung ihres Asylverfahrens erhalten, manche sogar schon vier. Die Verzweiflung der Menschen hat zugenommen. Nach einer gro\u00dfen Welle an Ablehnungen und der Androhung auf Abschiebung von der offiziellen Regierungs- beh\u00f6rde sahen wir einen deutlichen Anstieg an Suizidversuchen, teilweise F\u00e4lle von erweitertem Suizid von verzweifelten Elternteilen mit Kindern. Es schaffen nur noch wenige Gefl\u00fcchtete den gef\u00e4hrlichen Wasserweg aus der T\u00fcrkei nach Griechenland zu \u00fcberwinden. Durch die illegalen und unmenschlichen Push-back-Methoden, welche sich dank Organisationen wie \u201eAegean Boat Report\u201c auf den sozialen Medien wie Facebook gut verfolgen lassen, ist selbst die Ankunft auf der Insel keine Garantie mehr f\u00fcr ein faires Asylverfahren. M\u00e4nner, Frauen und Kinder werden, obwohl auf europ\u00e4ischen Boden angekommen, wieder auf Schlauchboote vor die t\u00fcrkische K\u00fcste gesetzt.<\/span><span style=\"font-weight: 400;\"><br \/>\n<\/span><span style=\"font-weight: 400;\"><br \/>\n<\/span><b>Was k\u00f6nnen Menschen in Deutschland machen, um zu unterst\u00fctzen?<\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Nach dem Feuer in dem alten Camp \u201eMoria\u201c auf Lesbos kam es zu einer gr\u00f6\u00dferen Spendenbereitschaft. Die Lage auf der \u00e4g\u00e4ischen Insel mag sich seit dem Brand etwas ge\u00e4ndert haben, jedoch sind die Menschen nicht einfach verschwunden. Zehntausende Menschen sitzen nach wie vor, ohne legale M\u00f6glichkeit f\u00fcr Nahrung oder medizinischen Versorgung, in Griechenland fest. F\u00fcr viele sind die in Griechenland t\u00e4tigen NGOs die einzige M\u00f6glichkeit, um die notwendigsten Dinge des Lebens zu erhalten. Es sollte nicht erst wieder eine gro\u00dfe Trag\u00f6die passieren m\u00fcssen, um den Leuten in der Heimat die dramatische Lage vor Ort in das Ged\u00e4chtnis zu rufen. <\/span><span style=\"font-weight: 400;\"><br \/>\n<\/span><span style=\"font-weight: 400;\"><br \/>\n<\/span><b>Was w\u00fcrdest du dir w\u00fcnschen? Was sollte sich hier in Griechenland bzw. in Europa ver\u00e4ndern?<\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Zun\u00e4chst m\u00fcssen die illegalen und menschenrechtsverletzenden Push-back-Methoden umgehend ein Ende finden. Die Problematik von Gefl\u00fcchteten und Migration wird national nicht bew\u00e4ltigbar sein. Die Europ\u00e4ischen Union muss sich endlich der Verantwortung stellen. Menschenrechte, im wahrsten Sinne des Wortes \u00fcber Bord zu werfen, darf nicht die Antwort sein. Die Notwendigkeit von so zahlreichen Nichtregierungsorganisationen auf europ\u00e4ischen Boden, um ein Minimum an Menschenw\u00fcrde aufrecht zu erhalten ist eine Schande f\u00fcr eine internationale Gemeinschaft wie die Europ\u00e4ische Union. Aufgrund politischen Druckes war es m\u00f6glich in k\u00fcrzester Zeit eine neue Grenzkontroll-Organisation zu gr\u00fcnden. Es muss daher ebenfalls m\u00f6glich sein eine europ\u00e4ische Organisation zur Aufrechterhaltung der medizinischen Versorgung an den Grenzen der Union zu gr\u00fcnden. Finanzielle Unterst\u00fctzung allein wird L\u00e4ndern wie Spanien, Italien oder Griechenland nicht helfen um mit den zunehmenden menschlichen Dramen, die sich an unseren Grenzen abspielen, fertig zu werden. Es ben\u00f6tigt Menschen mit Expertise vor Ort. Ich bin mir sicher, dass zahlreiche KrankenpflegerInnen und \u00c4rztInnen bereit dazu bereit w\u00e4ren. Sie machen es bereits freiwillig in Ihren wohlverdienten Urlauben und mit Ihrem angesparten Geld. <\/span><span style=\"font-weight: 400;\"><br \/>\n<\/span><span style=\"font-weight: 400;\"><\/p>\n<p><\/span><\/p>\n<p><b>Wor\u00fcber wird deiner Ansicht nach zu wenig berichtet?<\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Von den einzelnen Menschen, die sich auf die Flucht begeben mussten. Durch Framing-W\u00f6rter wie Fl\u00fcchtlingswelle verschwindet das Schicksal des Einzelnen h\u00e4ufig in einer bedrohlich wirkenden Naturgewalt. Durch die Arbeit in der Klinik im Camp, insbesondere durch die zahlreichen Gespr\u00e4che mit den \u00dcbersetzerInnen mit denen wir tagt\u00e4glich mehrere Stunden in einem Raum verbringen, verschwinden die Unterschiede des vermeintlich Fremden rasch und es zeigen sich die vielen Gemeinsamkeiten. Junge M\u00e4nner und Frauen, die vor der Flucht studiert haben oder als KrankenpflegerIn oder Handwerker ihren Lebensunterhalt verdient haben und dabei waren sich ein Leben aufzubauen sind nun nicht nur Ihrer Heimat beraubt worden. Sie sind mittlerweile zu Gefangenen auf europ\u00e4ischem Boden geworden, oft ohne Aussicht auf Hoffnung. Vor den Augen dem sehns\u00fcchtig herbeigew\u00fcnschten Europa so nah, bleibt es unerreichbar f\u00fcr die meisten der Gefl\u00fcchteten. Und beim Blick zur\u00fcck, entfaltet sich das Bild des brennenden Heimatlandes, was aus aktuellem Anlass selbst der internationalen Presse nicht entgeht.\u00a0<\/span><span style=\"font-weight: 400;\"><br \/>\n<\/span><\/p>\n<p><b>Vielen Dank f\u00fcr das Gespr\u00e4ch.<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Jahr nach dem Brand von Moria gibt es kaum noch Aufmerksamkeit f\u00fcr die Menschen dort. Die Asylverfahren wurden beschleunigt &#8211; viele Gefl\u00fcchtete hatten einen negativen Asylbescheid erhalten, sind nun auf griechischem Festland oder untergetaucht. Aufgrund der strikten Grenzkontrollen der K\u00fcstenwachen und \u201cillegaler Pushbacks\u201d kommen kaum noch Menschen auf Lesbos an. 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